Quoten
Es ist wahr, die Landesliste der Berliner Piratenpartei bildet den Gesellschaftsschnitt ebensowenig ab, wie die weit über 10.000 Mitglieder der Bundespartei. So wirkt eine Frau gegenüber 14 Männern durchaus einsam. Vielmehr noch, ist Susanne Graf mit 19 Jahren auch über die Piratenpartei hinaus aufgrund ihres Alters eine vermeintliche Außenseiterin im Abgeordnetenhaus (und sie wird das Gegenteil beweisen).
Ich persönlich hätte mich auch über Menschen mit bunteren Hintergründen gefreut - Migration, Behinderung dürfen auch personell und nicht nur im Programm präsent sein.
Das allerdings wird - wie auch einen wachsenden Frauenanteil in Verantwortung - die Zeit mit sich bringen. Denn die Betrachtung, der kritisierten Landesliste bietet durchaus Beachtenswertes. Der Altersdurchschnitt ist spürbar niedrig, kokettiert aber nicht mit Jugendlichkeit und lässt Ausreißer in reifere Gefilde zu. Zeitgleich sind die beruflichen Hintergründe ebenso heterogen, wie die abgebildeten Milieus. Die Selbstverständlichkeit, mit der die sexuelle Ausrichtung gleichermaßen egal, aber auch zugestanden bunt ist, erfreut mich. Die niedrige Dichte an Alphatierchen macht genauso Mut, wie die Teameinbindung derer mit größeren Egos.
Diese Landesliste ist bunt und bietet bei aller Kritik vor allem Einblick in unser Hausaufgabenheft. Noch fehlt der Gesamtpartei eine wirkliche Durchmischung. Das ist aber weniger verschlossenen Türen geschuldet, als dem jungen Alter der Partei. Dennoch möchte ich allen Kritikern und Quotenforderern gerne noch etwas mitteilen:
1. In wohl keiner Partei, wird eine Frau (oder wie immer Mensch sich selbst wahrnimmt) derart wohlwollend und unterstützend auch zu höheren Aufgaben ermutigt, als bei den Piraten. Der Anteil in Verantwortung übersteigt die Parteizusammensetzung spürbar.
2. Ämter sind bei uns eher unbegehrt und sind eben gerade nicht notwendig, um seine Ziele zu erreichen. Man beachte die Vielzahl schillernder und innerparteilich prominenter Mitstreiter, bar jeden Amtes.
3. Zum Glück müssen wir die Gesellschaft nicht in Gänze abbilden, sondern können uns auf gemeinsame Ziele versteifen. Die Unwichtigkeit von extremen und/oder menschenfeindlichen Anschauungen, die niedrige “Arschlochquote” begrüße ich ausdrücklich, obgleich wir uns dadurch vom Bevölkerungsquerschnitt verabschiedet haben.