Gehirnakrobatik

Zu viele Zeichen fuer Twitter, zu langfristig fuer Facebook, zu wenig fuer meine Memoiren - aber meine Perspektive zur Welt.

…als ein Schrecken ohne Ende.

Werter Herr Tauss,

aufgrund aktueller Entwicklungen möchte ich nun mein Schweigen brechen. Die Gerüchteküche Internet - insbesondere ihre Twitterdialoge - lassen darauf schließen, dass das Kapitel Piratenpartei für Sie mental noch lang nicht abgeschlossen ist. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass ihre Nichtmitgliedschaft SO inaktiv nicht war. Darüber zu mutmaßen ist jetzt nicht mein Ziel.

Ihre politische Karriere mit allen Höhen und Tiefen, Erfolgen und Mißerfolgen auch im Bereich von Netzpolitik (zu Zeiten, als diese nirgendwo auf der Agenda stand) zollen mir und vielen Piraten Respekt ab. Das bundespolitische Finale und die Abkehr ihrer sozialdemokratischen Heimat dürfte Ihnen ebenso in Erinnerung sein, wie die Unvoreingenommenheit der Piratenpartei, trotz ihrer medialen Verbrennung. Sie erlebten viel Unfairness und Angriffe unter der Gürtellinie, auch innerhalb ihrer neuen Partei. Sicher keine leichte Zeit für einen engagierten Menschen wie Sie. Und doch nicht unverschuldet, wie Sie selbst wissen. Ich werde mich nicht zu Ihrem Prozess, wahren oder unwahren Unterstellungen, der Verurteilung oder Rechtfertigungen äußern - die Wahrheit bleibt Ihnen allein vorbehalten - “bewiesen” wurde nichts, außer Ihrer Kompetenzüberschreitung.

Schlussendlich gab es einen Deal - den Ihres Austritts im Falle einer Verurteilung - dem Sie auch nachkamen. Bis hierhin hätte Alles seine Berechtigung gehabt und man hätte sich im Guten trennen können, jedem faden Beigeschmack zum Trotze.

Zuletzt aber erschreckt mich Ihr Verhalten. Um es drastisch und ehrlich zu formulieren, erinnern Sie mich an einen verbitterten alten Mann, der nicht loslassen will, ungewollte Nähe sucht und ohne Selbstreflektion die Unfairness einer grausamen Welt beklagt. Ihre Twittertimeline schwankt zwischen Süffisanz, Sarkasmus und Mimimi und festigt mein Bild nur noch. Die Steigerung davon dürfte ein Wiedereintritt in die Piratenpartei - unter bewusster Inkaufnahme des offensichtlichen Stressfeldes - sein.

Ich maße mir nicht an Ihre Person außergerichtlich zu verurteilen, Moralpredigten zu halten oder Sie zu diffamieren. Ihr Knick in der Vita und die Beschädigung Ihrer Reputation sind nicht beneidenswert. Aber ich bitte Sie - auch wenn Sie sich noch so sehr im Recht sehen, eintreten und/oder mitmachen zu dürfen - den Wiedereintritt vollumfänglich zu verwerfen. LASSEN SIE EINFACH LOS. Gönnen Sie sich ein wenig ruhige Fahrt nach stürmischen Zeiten - einfach ausklingen lassen. Genießen Sie Ihre Freiheit sich mitzuteilen - Reichweite und Intellekt besitzen Sie genug. Und lassen Sie uns unsere riesigen Hausaufgabenberge abarbeiten, die Eierschalen hinter den Ohren wegputzen und Chancen verwerten.

Der Grund für meinen Appell klingt egoistisch und opportun, ist aber vor allem zweckdienlich und “für die Sache”(tm). Ich stehe seit Monaten und Jahren auf der Straße und halte immer wieder meine Wange für meinerseits völlig unverschuldete Vorgänge hin - und die andere hinterher. Ich werde unflätig beleidigt, auf ihre Person reduziert, belächelt oder vorverurteilt, für eine Sache mit der ich NICHTS zu tun habe. Ich bin es leid in Sippenhaft zu stecken und eine mir persönlich unbekannte Person zu erklären, den Rechtsstaat zu erläutern, die Verurteilung und ihre Erklärungen zu zitieren. Ich bin es umso mehr leid, als dass ich mich eines faden Beigeschmacks nicht entledigen kann, ich Ihr selbstdargestelltes Vorgehen für schrecklich naiv halte und ich kaum bis keine Kooperation oder Einsicht Ihrerseits realisiere. Das ist meinerseits keine Faulheit oder Nachverurteilung, es ist schlichtweg der Wunsch, nicht jahrelang die Verfehlungen einer anderen Person öffentlich ausbaden zu müssen und andererseits der Wille Ihnen nicht mit totaler Ablehnung zu begegnen zu müssen. Wir baden das aus, um Ihrer - das kann ich so nur vermuten - Eitelkeit einen Gefallen zu tun.

Ja, Ihr Eintritt damals war ein Pressestunt. Über die Vor- und Nachteile kann man streiten. Ich stand damals zum gemeinschaftlichen Vorgehen, AUCH UND INSBESONDERE wegen Ihres Rückzugsversprechens.

LASSEN SIE BITTE ENDLICH LOS, für ein Ende mit Schrecken.

Freundlich grüßend und an Ihre Vernunft appellierend
Claudius Holler

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