Gehirnakrobatik

Zu viele Zeichen fuer Twitter, zu langfristig fuer Facebook, zu wenig fuer meine Memoiren - aber meine Perspektive zur Welt.

Flauschstorm

Je mehr Menschen sich zusammentun, desto höher die Anzahl an Menschen, mit denen ich bestenfalls wenig Schnittstellen habe. Auch die Piratenpartei nimmt in ihrem Wachstum so manch mental gestrandete Persönlichkeit mit und nötigt mir mehr Gesichtspalmen auf, als ich Hände habe. Einge Momente der Fremdscham bringen mich in eklatante Erklärungsnot und lassen mich stark am Gesamtprojekt zweifeln.
Die verschiedensten Qualitäten an Freaktum und geistiger Umnachtung kann man beschönigend als “interessante Fallstudie” bezeichnen. Und doch verschlagen mir einige Gedankengänge mehr als die Sprache. So kommt es, dass ich immer wieder gedanklich mit der Piratenpartei abschließen möchte - ein in Stein gemeißeltes “ES! REICHT!” zum Ziel.

Und dann hat man wieder dutzende Wochenstunden Piratenbohei auf der Uhr. Steht im Regen und sammelt Unterschriften, hält Vorträge vor Pubertierenden, diskutiert bis in den frühen morgen mit Parteikollegen, schreibt kiloweise Text und versucht Gedanken reifen zu lassen, wie ein Programm erweitert werden muss und wie man die nächste Fünf-Prozent-Hürde knackt.
Denn neben den lauten Spinnern, den Verrückten und Soziopathen, da bietet die Partei auch Anderen ein Obdach. Die “Guten”, über deren Tweets man sich nachts um drei noch freut. Die Hochengagierten, die einen dazu bringen stundenlange Sitzungen im Abgeordnetenhaus einer Stadt zu verfolgen, in der man nicht mal wohnt. Piraten, die sich in ein Thema knien, Lösungen erarbeiten, ideologiefreie Wertemodelle kreieren. Menschen, die mein Engagement bei Weitem übertreffen, die ihren Arsch ins Feuer halten, sich aus dem Fenster lehnen und mir einige Zungenschnalzer abverlangen.
Ich habe durch diese Bewegung etliche Menschen kennengelernt, die ich heimlich bewundere, die mir nahe stehen, die ich mag und respektiere oder mit denen ich einfach vortrefflich und konstruktiv streiten kann. Und dann kommt der Moment, in dem ich mir wieder einmal umso gewisser bin: Ich bleib dabei, ich lass doch nicht zu, dass ein paar eitle Deppen diese Gesamtchance verbauen und eine Idee im Keim ersticken.

Wir vergessen bei all der hektisch, hysterischen Selbstkritik und dem hehren Ziel einer vernunftbezogenen Perfektion, zu oft die Streicheleinheiten. Wir vergessen eigene Erfolge und Meisterleistungen anzuerkennen. Wir sind doch noch immer politische Laien, ohne mannstarke Unterstützung wertvoller Thinktanks. Unser Budget ist ein Scherz. Und doch erreichen und bewegen wir mit literweise Herzblut, auszehrenden Überstunden und Chuzpe so viel, dass es uns kaum bewusst wird. Wir verändern die Politik und Gesellschaft schon jetzt, über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wahrscheinlich wird uns erst retrospektiv wirklich bewusst, wie groß das Alles schon ist.

Ich bleib Pirat! Und möchte an dieser Stelle eine tiefe Verbeugung vor all denen machen, die wissen dass sie gemeint sind und vor denen, die ihren Anteil bescheidenerweise immer übersehen. DANKE!

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  6. von claudiusholler gepostet
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