We can haz Parteivorsitzenden (Lobhudelei)
Dings steht vor der Tür und etliche Piraten betreiben den Versuch von RL-Politik im beschaulichen Heidenheim. Ich werde dieses Mal, aus besten Gründen, nicht dabei sein - Onkelfreuden gehen vor Parteiterror. Chemnitz und viele LV-Wahlprogramme brachten erste thematische Erweiterungen und sorgten für Dikussionsstoff. Dieser Parteitag wird sich vornehmlich der Wachablösung im Vorstand widmen und wenn Zeit bleibt auch noch ein paar Punkte ins Programm diktieren.
Die Zäsur macht sich wohl am meisten an der Nichtkandidatur, des “ewigen Vorsitzenden” und seines “Kronprinzen” fest (an dieser Stelle sei auf Kritik verzichtet). In jedem Fall wird der nächste Vorstand einen gänzlich anderen Charakter besitzen und mit Chance für neuen Vortrieb auf unseren wohlbekannten Dauerbaustellen sorgen.
Der Tanz auf der Rasierklinge hat just begonnen. Es gilt den Beweis anzutreten, dass die Piratenpartei nicht nur keine Eintagsfliege ist (der Anfang von 2011 hat dafür ein Fundament gegossen), sondern vielmehr eine tatsächliche Bereicherung für die Demokratie in diesem Land (und weltweit) und die Freiheit seiner Einwohner darstellt.
Wie man mit nur genug Selbstaufgabe vom idealistischen Hoffnungsträger zur temporären Volkspartei wird, können wir von den Grünen lernen und dürfen diesen Fehler gern vermeiden. Wie man eine fade Mainstreamsuppe kocht und sich nur mehr gegenseitig das Wasser abgräbt, ohne originelle Zukunftskonzepte aufzuzeigen, lehren die Etablierten. Der umgekehrten Weg, von libertärer Kraft (wenngleich oft nur simuliert) zur belanglosen Lobbysplittergruppe ist gelb gestrichen. Jetzt gilt es: Brust raus, Bauch rein und oranges Freiheits-Profil zeigen.
Die Bewerberliste für die verschiedenen Vorstandsämter ist ähnlich lang, wie typenarm. Ich widme mich lediglich unserem höchsten Parteiamt, dem Vorsitzenden und mache es kurz:
CHRISTOPHER LAUER ist IMHO die einzig zielführende Wahl für dieses Amt.
Ginge es nach “viel Feind, viel Ehr” wäre sein Wahlsieg schon eingetütet. Zählte “Arschaufriss und Präsenz vor allerorts” bliebe wenig Konkurrenz. Gewönne man mit dem Adelstitel “Medienhure”…keine Zweifel offen.
Leider aber sind genau diese Bereiche - und das erschließt sich mir nicht - sein Nachteilepaket. Der junge Kerl hat sich innerhalb eines eher beschaulich wirkenden Vorstands und wider den alteingesessenen Konservativismus die Hörner abgestoßen und züchtete auch dadurch seine Gegnerschaft. Wie so oft wirkt Aktivität und Zieltreue einschüchternd und führt zu mehr Abwehrverhalten, als bei passiver Aussitzerei.
Der Berliner Titelaspirant hat Profil entwickelt. Profil eckt an. Seine Unterstützer (z.B. ich) wissen um die auch ihm verwehrte Unfehlbarkeit, aber sie anerkennen die Lernbereitschaft, Wandlungsfähigkeit und (ja genau, auch die) Kompromissbereitschaft. Christopher hatte die wohl am hitzigsten ausgetragenen Tanzbereiche zu beackern und doch kriegte er früher oder später die nötigen Kurven, zu einer befriedeten Basis. Ich bin froh über genau seine Attribute. Sie bedeuten Verlässlichkeit, statt Fähnchen im Wind. Mein größter Wunsch allerdings ist, dass seine Energie nicht mehr für innerpolitisches Geharke verschwendet wird, sondern brauchbar genutzt wird, um politische Mitbewerber in Schach zu halten, billige politische Zugeständnisse zu entlarven und unsere gemeinsam beschlossenen Ziele in die Welt zu tragen. DAS ist wohl, was uns zuletzt am meisten fehlte: Wir fanden kaum statt.
Wir brauchen als Vorsitzenden einen standhaften Kommunikator mit Charakter, der nach Innen, wie Außen wirkt und den Rest unserer Bagage zum mitmachen anstiftet. Wir müssen gesehen werden und endlich den zweiten Gang finden, sonst verharren wir im politischen Nirvana als kleine Freiheitsanekdote. Der Herr Lauer kann das.
Und nein, ich halte ihn nicht für einen Heiligen. Ich kann hervorragend anderer Meinung sein, als er oder mit ihm rumfrotzeln und ihn sogar kritisieren (ohne das sein Telefon laut wird). Lauer hat (unsere) Ziele und Lauer tauscht sich (weit über persönliche Präferenzen hinaus) mit verschiedensten Piraten aus und ich konnte sogar selbstreflektive Bestrebungen bei ihm ausmachen, die seinen satanischen Ruf pulverisieren.
Vor allem aber verfügt er über einen shitstormresistenten Teflonschild, so dass wir über die volle Amtszeit hinweg mit seiner Performance planen können. Einer Performance, die insbesondere unserem größten (wenngleich zerredeten und ausgebremsten) politischen USP dient: Liquid Democracy. Wenn wir politisch unverzichtbar werden wollen und Partizipation und Transparenz in unserer Demokratie verankern wollen, dürfen wir dieses Baby nicht verhungern lassen und müssen es endlich freilassen. Der Schmidtlepp stünde dem sicher nicht im Weg.
Zuletzt mein Apell:
Springt wir über unseren Schatten und wählen, was uns am meisten voranbrächte. Persönliche Animositäten und liebevoll gehegtes Mimimi helfen uns ebensowenig, wie ein blasser Vorstand. Wählen wir Christopher Lauer und halten die Piraten wählbar!
Zuallerletzt mein PS.:
Zur letzten Vorstandswahl wurde unfassbar viel Zeit mit der Filetierung von offensichtlichst Chancenlosen oder Spaßberwerbern vergeudet. Dieser Aufwand schießt an allen Zielen vorbei und darf meine BPT-Teilnahme via Stream gern kurzweilig halten.
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