Gehirnakrobatik

Zu viele Zeichen fuer Twitter, zu langfristig fuer Facebook, zu wenig fuer meine Memoiren - aber meine Perspektive zur Welt.

Spackeria zum Zweiten

1. Information ist viral - ein Ausbruch möglich, nicht zwingend.

Datenschutz ist einzig temporärer Natur. Seine Wirksamkeit bemisst sich an der Verzögerung Informationen unter Verschluss zu halten. Die Herausforderung an ihn wachsen im selben Maße, wie das Interesse an seiner Umgehung.
Funktionierender Datenschutz ist einerseits trügerische Momentaufnahme und andererseits Beleg für mangelnde Bestrebungen ihn auszuschalten.


2. Öffentlichkeit funktioniert nicht binär.

Intimität ist eine Komfortzone. Sie zu schützen ist ein Balanceakt auf dem Bindeglied zwischen Partizipation an Gesellschaft und ichbezogener Autarkie. Mit jeder Bezugsperson gewinnt - in deren Diskretion zu erbringendes - Vertrauen an Gewicht. Das Risiko zur unfreiwilligen Öffentlichkeit steigt mit jeder Interaktion, aber die Chance zur erwünschten Öffentlichkeit steigt mit jeder Interaktion.

3. Wahrheit ist formbar und relativ.

Ich denke also bin ich also hinterlasse ich Spuren. Ich kann die Intensität, die Ausrichtung und die Interpretationen beeinflussen, nicht aber die Existenz der Auswirkungen meines Handelns und meiner Kommunikation. Die informationelle Selbstbestimmung bedarf wachsend mehr Aufwand. Hilfreich, aber nicht garantierend, sind bewusste Nutzung von Transparenz, Nebelkerzen und digitales Thai Chi. Wer um die Möglichkeiten beobachtender Instanzen weiß, kann unter dem Radar tanzen oder pragmatisch drauf scheissen - im Idealfall selektiv.

4. Trau, Schau, Wem.

Die Natur der Daten und ihr Schutz wecken Begehrlichkeiten. Technische Möglichkeiten und Verknüpfungen wollen genutzt werden. Die Interessen reichen von Verwertung über Kontrolle bis hin zu Schädigung. Die dafür benötigte Information wird freiwillig übergeben, aufgezwungen abgefragt, mit großen Aufwänden erlangt oder gar künstlich erzeugt. Mangels funktionierendem Schutz, bietet sich eine gesellschaftliche Fokusverlagerung an:
Schaffung strikter und realitätsnaher Regeln für Datenverwendung und eine Ahndung von Verstößen. Der Retourkontrolle spielt ein wichtiger Aspekt in die Hände: Punkt 1 und folgliche Leaks.

5. Ninjas und Schwärme

Unerkannte Spaziergänge und Kritzeleien auf den Klowänden des Internet bleiben trotz oder gerade wegen der vorigen Ausführungen möglich. Wer sich geschickt bewegt oder in Schwärmen untertaucht profitiert von nicht enden wollenden Datenzuwächsen - jede Information emanzipiert sich irgendwann von ihrem Urheber.
Die resultierenden Vor- und Nachteile sind eine Herausforderung für die Gesellschaft und das Individuum. Frei nach F. C. Oetinger bedarf es der Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht zu ändern sind; den Mut, Dinge zu ändern, die änderbar sind; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Mobbing und üble Nachrede sind kein digitales Problem, das Netz ist einzig ein weiteres Transportmittel. Im Großen und oftmals Positiven widerum wird kein Machtkörper durch Regulation und Mechanismen dafür sorgen können, das Kritik, Protest und Meinung stummgeschaltet wird. Die Emanzipation der kleinen Sender ist unabwendbar.

  1. von claudiusholler gepostet
Comments
Comments
blog comments powered by Disqus